Zwischen den Wänden
Ich sitze in meinem Zimmer. Ich habe Angst. Ich sehe nichts. Mit meinen Augen suche ich die Wände ab, doch ich erkenne sie nicht. Meine Hände liegen flach auf dem Bettlaken, ich sitze zwischen ihnen. Sie bewegen sich kaum. Sie zittern ein wenig. Meine Wände sind voller Bilder. Poster, Urkunden. Als ich sie dort aufhängte, hängte ich sie an die Wand. Ich drückte sie davor, und trieb Stecknadeln durch ihre Ecken. Jetzt kann ich nicht mehr sehen, was hinter den Bildern ist. Ich kann nicht hindurchsehen. Ich weiß nicht mehr, was hinter ihnen ist.  
und ich habe sie nicht gesehenMein Zimmer hat vier Wände. Eine Decke und einen Fußboden nur, aber vier Wände. Ich kann sie nicht überblicken. Es sind einfach zu viele. Als ich einzog, maß ich den Raum aus. Ich wußte, wie lang und wie breit der Raum war. Er war fast quadratisch. Ich stellte meinen Raum voll mit Möbeln, bis ich ihn und die Wände hinter ihm nicht mehr sah. Jetzt weiß ich nicht mehr, wie lang und wie breit er ist. Die Wände können sich hin- und herbewegt haben, nach Lust und Laune, und ich habe sie nicht gesehen. Sie müssen nicht mehr hinter den Bildern sein und hinter den Möbeln. Sie könnten überall sein. Sie können sich vor mir verstecken, daß ich sie nicht mehr wiederfinde, wenn ich sie suche.  
Ich schaue nach links. Eine Urkunde der Musikschule, groß und matt. Ich starre sie an. Sie starrt mich an. Dann drückt etwas von hinten davor, zwei Hände zeichnen sich durch meine Urkunde ab und wandern mit gespreizten Fingern hin und her. Ich traue mich nicht, sie anzufassen. Ich bleibe zwischen meinen Händen sitzen. Wand, da wird nur Wand sein, hinter meiner Urkunde.
 
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