Rhumba
 

Ich könnte schlafen, ich könnte wach bleiben. Ich überlege. Ich sehe mein Bett. Mein Bett ist leer. Nicht wie ein Bett, daß seine Füllung braucht, sondern wie ein vergessenes Bett. Es liegt in meinem Zimmer und gewöhnt sich an seine Rolle als vergessenes Bett.

Ich nehme eine Zeitschrift in die Hand und lese sie. Die Buchstaben verschwimmen vor meinen Augen. Plötzlich erstarren sie, kurz, dann beginnen sie, sich rythmisch zu schütteln. Sie tanzen einen Rhumba. Ich höre auf, zu lesen. Ich schlafe nicht. Schlafen ist mir egal.

Ich werde mich noch mal anziehen. Vielleicht fahre ich ja noch mal nach Castrop. Ich atme tief ein und aus.

Ich würde gern irgend etwas sagen, aber keiner ist da. Also sage ich nichts. Wer etwas sagt, ist egal. Wenn ich in einem Auto sitze und fahre, dann bewege ich mich. Meistens bewege ich mich nach Castrop, wenn ich mich bewege. Mein Physiklehrer hat oft gesagt: Niemand hört uns, aber die Dinge sind.

Ich frage mich oft, was er meinte. Er hat versucht, uns etwas zu vermitteln, daß ihn dazu brachte, mit den Augen zu leuchten. Es war, als gäbe es eine Wahrheit, die unser Leben verändert.

Recht hat er, sage ich in den Raum. Der Raum riecht nach mir. Keiner sagt was. Keiner hört.

 
  
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