HochübermJavasee
 
Ich sitze in einer alten Klapperkiste. Ich habe eine Reisejacke an, weil ich ein Abenteurer bin. Ich spreche nur Englisch, die Leute hier sprechen alles Andere. Sie haben alles Mögliche dabei: Reis Hühner, Hüte, Töpferwaren. Alle riechen sie nach asiatischem Schweiß. Den ganzen Flug über blinkt die Anzeige:
"Fasten Seat Belts"

Abgehoben sind wir in Samarinda. Wir fliegen über den Javasee und die Malaccastraße nach Kuala Lumpur. Ich war noch nie dort. Vor ein paar Jahren hat mir ein Mann in einer Kneipe im warmen Süden Frankreichs von Kuala Lumpur erzählt. Wahnsinnig nannte er die Stadt. Er beschrieb sie als Ort der Schöpfung, als kämen Alle ursprünglich von da; erst danach hätten sie sich in die Welt verbreitet. "Wenn du da noch nie warst, warst du nirgendwo."

Ich glaubte ihm. Ich nutzte diese Reise, erweiterte sie um eine Woche, und stieg in diese Klapperkiste. Die Menschen hier scheinen mich überhaupt nicht zu bemerken. Nur als ich einstieg, fragte mich ein schwarzer Mann:
"Camera? Man, gotta camera." Demonstrativ kurbelte er dabei mit der rechten Hand, als wolle er sie mechanisch in Gang setzen. 
"No no.", sagte ich, er verzog das Gesicht, und setzte sich im Flugzeug direkt hinter mich.

Durch das Fenster sieht man Wasser, endlos und gleichgültig. Wahnsinn, denke ich. Ich lehne mich zurück und nehme eine filterlose Zigarette aus meiner Vordertasche. Ich will sie gerade anzünden, als vor mir etwas knallt. Dann noch einmal, ganz vorn, im Cockpit. Qualm dringt von dort durch den Türspalt in den Gang. Die Menschen hier reagieren nicht. Nicht einmal die Hühner, sie kreischen wie immer. Mir wird die Rübe knallrot. Das Flugzeug bekommt Schräglage. Es kippt nach vorn weg.

Ich habe Angst; mir wird schlecht; ich sehe, wie mein Leben an mir vorbeizieht; ich will nach Hause. Scheiße. Ich reiße mich zusammen, springe auf und stehe da. Ich halte mich fest; alles dreht sich um mich.

Egal. Ich bin stark. Ich gehe nach vorn. Ich komme an, am Cockpit, vorbei an den vielen Menschen komme ich an. Da stehe ich: Vor der Tür, aus der Qualm dringt. Ich halte den Atem an, und öffne sie:

Da sitzt in einer alten Marineuniform ein fetter Asiate und rührt in einem großen, scharf stinkendem Kochtopf. Die Uniform ist ihm mindestens zwei Nummern zu klein. Die speckigen Unterarme quillen aus den Ärmeln hervor. Der Topf steht auf zwei kleinen Schemeln, befeuert wird er von einem Haufen brennendem Papier. Der Asiate schaut zu mir auf und grinst.

"Do you want meat?", fragt er. Auf allen Anzeigen leuchtet rotes Licht. Die Malaccastraße rast auf uns zu.

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