| Der Zug rattert. Er wirkt modern, sicher, das ist nur ein Trick. Anstatt die Technik zu erneuern, bekommen die Sitze neue Verkleidungen. Der Effekt ist großartig; man kommt in den Zug und denkt 'Super! Neuer Zug, alles neu.' |
| Nichts davon stimmt. Nicht alles, nicht einmal der Zug ist neu, und nichts ist Super. Ich bezahle immer mehr Geld für die Zugfahrten. Das wird komplett für neue Sitzbezüge ausgegeben. Das weiß ich. |
| Ich sitze oben in einem von diesen zweistöckigen Stadtexpressen. Durch die Dachwölbung ist mein Spiegelbild im Fenster verzerrt. Mir fehlt der Kopf. Bis zu den Schultern schlägt mein Körper Wellenlinien, dann endet er. Immerhin sehe ich im Fenster den Sitz auf der anderen Seite des Waggons. Er ist leer. Der Bezug sieht neu aus. Und grau. Ich versuche, vorbei an den Spiegelungen durch das Fenster zu schauen. Nichts. Vielleicht war da ein Baum. Ein Haus. Ein rotierender Mercedesstern auf einem Dach. Vielleicht habe ich mir das auch eingebildet. Ich gebe es auf. |
| Ich warte auf den Bahnhof. Er kommt nicht, der Zug rattert. Es ist spät. Ich wünsche mir mein Bett. Es müßte direkt auf dem Bahnsteig stehen, zwischen den Wartenden, den Einsteigenden und Aussteigenden. Ich würde mich völlig gleichgültig hineinlegen. |
| Die Sprecherdurchsage. Der Bahnhof kommt. Ich schrecke auf, dann beruhige ich mich, dann stehe ich auf. Der Zug beginnt, langsamer zu werden. Ich ziehe meine Jacke an, dann gehe ich den Waggon nach vorn durch und werfe Blicke auf die Passagiere. Verschieden. Lederjacken und Jeansjacken, Miniröcke und Herrenhosen. Genauer sehe ich es im Vorbeigehen nicht. Eine schmale, gewundene Treppe führt in die untere Waggonetage. Ich stoße mir den Kopf an der schräg abfallenden Decke, es brennt, in meinem Blickfeld bilden sich schwarze Flecken an den Wänden, dann komme ich unten an und bleibe kurz stehen. |
| Ich stehe vor einer Glaskabine, die sich
durch einen Vorhang fast völlig meiner Wahrnehmung entzieht. Auf einem
Aufkleber ist vermerkt: "Führerraum". Ich spähe durch einen Spalt
im Vorhang und sehe dort einen kleinen Mann, der stramm und uniformiert
dasteht. Vor ihm auf einem Pult steht ein Schäferhund, den er am Kopf
krault. Er hat eine Gerte unter den Arm geklemmt. Ein Hakenkreuz sehe ich
auf seiner Armbinde, schwarze, glänzende Strähnen schauen unter
der Mütze hervor.
Der Zug hält mit einem Ruck. Ich öffne die Tür und springe heraus. Einsteigende und Aussteigende. Ich will ein Bett. |