Der Schneetreter
 
 
 
Das S ist am schwersten. Den oberen Bogen kann er ohne Probleme laufen, aber sobald er die annähernde Gerade abgeschritten ist, gerät er zu weit nach rechts. Dann, am unteren Bogen angekommen, schwenkt er mit einer Art Nachholbedürfnis viel zu weit nach links.
Die meisten machen Witze über sein S. Aber das liegt nur daran, das sie es selbst noch nie probiert haben. Von unten sieht es nämlich sehr einfach aus. Aber hier oben friert er sich die Füße zu tauben Klumpen; spätestens nach dem dritten Buchstaben schmerzen sie nicht mehr. Das heißt jedoch nicht, daß er es damit überstanden hat. Sobald er unten am Feuer sitzt, tauen sie wieder auf. Jede Zehe einzeln.
Das T ist ganz einfach. Das schafft er meist doppelt so schnell wie das S. Er reibt sich mit der flachen Hand die Nasenspitze. Wie mit einer Heftzwecke. Es schmatzt. Die Nase tut die ganze Zeit weh. Das O gerät ihm manchmal zu bauchig, und dann stößt er fast mit der Seite vor den senkrechten Strich des T´s. Die O´s werden dann oft ziemlich eierig.
Es ist schon dunkel, und die Beine sind ihm schwer geworden. Der tote Punkt liegt meistens in der Mitte. Aber darüber spricht er mit niemandem. Sie wollen ja auch nicht. Entweder sie machen Witze, oder sie haben Angst vor ihm.
Hoch, senkrecht runter; das R fängt leicht an. Dann macht er große Schritte hinüber, diagonal hoch, und dann den Halbkreis. Vor dem hat er jedesmal Angst, wenn er am Ende runtergeht. Dann schaut er hoch, hält das S noch für passabel und sieht dann das R. Der Halbkreis ist meist richtig spitz. Die Anstrengung macht Feinarbeit beim R fast unmöglich. Der gängige Witz über ihn ist, das er auch noch Buchstaben geht, wenn es taut. Nicht, daß sich jemand traut, ihm den zu erzählen. Er mußte sie belauschen. Als das Licht schon aus war. Fast wäre er erwischt worden.
Noch einmal konzentrieren. Das Z ist sein Paradebuchstabe. Die Winkel oben und unten sehen bei ihm immer gleich aus. Da muß er nicht einmal denken. Nur gehen. Er muß lächeln. Soll er ein Ausrufezeichen wagen?
 
 
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